Aviation EDWB

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Tagesausflug nach Bremerhaven (EDWB)

Pirep Und wieder mal so ein Samstag, der sich sich für einen Tagestrip anbietet. Die Flugwettervorhersage passt hervorragend: Sicht okay, hohe Bewölkung, kein Niederschlag im Norden. Aber starker Wind aus nördlichen Richtungen mit 15-20 kts, in Böen auch 25 kts vor allem an der Küste macht eine sorgfältige Flugplanung notwendig, da wir nicht unbedingt das maximale Limit unserer Maschine für Seitenwind testen wollen. Welche Flugplätze an der Nordseeküste besitzen nun Landebahnen mit einer Nord-Süd Ausrichtung? Die Wahl fällt schnell auf Bremerhaven - mit seiner rund 1000 m langen Asphaltpiste und einer Ausrichtung von 16/34 ist dieser Landeplatz genau das Richtige unter diesen Bedingungen.

Turning final runway 34 EDWB Bremerhaven

Sicherlich, die Insel Borkum besitzt auch eine passende Landebahn mit 13/31 Asusrichtung, aber wie wir im Verlauf des Tages noch sehen werden, liegt über den ostfriesischen Inseln zuerst Nebel und dann niedrige Bewölkung; - kein echter Spass. Ein paar Regenschauer noch abgewartet und dann die ersten Aussenchecks der Maschine, so dass wir gegen Mittag starten.

Richtige Wolken haben sich noch nicht gebildet aber durch eine Inversionsschicht um 5000 ft ist die Sicht eher zweigeteilt. Jeder Flieger kennt diesen Anblick, wenn der Himmel aussieht, als gäbe es einen zweiten Horizont mit einer scharfen Kante hoch über dem Erdboden. Also schnell auf FL075 (7500 ft MSL) steigen und die freie Sicht geniessen. Dank Mode-S Transponder kein Problem. Hier oben ist auch der Wind aus Norden nur noch leicht spürbar - beide GPS zeigen knapp 95 kts über Grund. Auf dem Rückflug sollen es dann übrigens mehr als 105 kts sein.

Vorbei geht es an Münster und Bremen. Dann leisten wir uns noch einen Überflug über Oldenburg, um schliesslich im Sinkflug entlang der Wesermündung auf Bremerhaven zuzusteuern. Bis auf ein paar vereinzelte Thermikwölkchen ist der Himmel immer noch klar. Dank eines frühzeitigen Anrufs per Funk wissen wir bereits, dass lediglich eine einzelne Cessna 172 Ihre Trainingsplatzrunden über Bremerhaven dreht.

Ein Tipp für andere Piloten, die Bremerhaven von Süden her anfliegen: Man kann dem Lauf der Weser prima folgen, der Fluss macht vor der Küste eine Kurve nach Osten. Im Ostufer deser Kurve liegt der Flugplatz Bremerhaven - das Einfädeln in die Platzrunde ist von da ab ein Kinderspiel.

Humboldt penguins as seen in the Zoo am Meer, Bremerhaven

Wir reihen uns hinter der Platzrunden-Cessna ein und beginnen den Anflug auf die Piste 34. Der Wind wird uns vom Turm mit 17-20 kts aus 320 Grad angekündigt. Das sollte passen - nur 20 Grad Windversatz zur Piste senken meinen Pulsschlag massgeblich. Im Queranflug wird es nochmal interessant als der Wind mit 20 kts rechtwinklig in die Seite drückt. Ich habe mich für einen langen Endanflug mit lediglich 15-Grad Landeklappen und entsprechend höherer Anfluggeschwindigkeit entschieden.

Das ist einfachste Mathematik: 60 Knoten im Endanflug plus 20 kts Wind bzw. plötzlichen Böen ergeben im schlimmsten Fall eine Geschwindigkeit von 80 kts durch die Luft. Das wäre deutlich über dem strukturellen Limit des Herstellers von maximal 68 kts bei vollen Landeklappen. Fährt man die Landeklappen nur bis 15 Grad aus, so erlaubt dies ein deutlich höheres Limit von 96 kts bei unserer Maschine. Da kann man sogar noch 10 kts schneller anfliegen um noch ein paar Reserven zu haben, falls der Nordwind plötzlich ausbleibt. Der Nachteil liegt jedoch daran, dass die höhere Anfluggeschwindigkeit (=kinetische Energie) beim Ausschweben über der Landebahn erst einmal abgebaut werden muss, bevor das Flugzeug aufsetzt. Und so kommt es dann auch - nach dem Abfangen schweben wir "endlose" Sekunden die Landebahn entlang - in wenigen Zentimetern über dem Boden, wohlgemerkt. Dann ein Ruck, das Hauptfahrwerk setzt auf und kurz darauf das Bugrad - perfekt. Wir haben nur etwa die Hälfte der Landebahn benötigt. Während wir ausrollen, drücken die Böen gegen die Maschine.

Submarine on display in Bremerhaven

Mit Hilfe der freundlichen Turmbesatzung bekommen wir sogar einen windgeschützten Stellplatz zwischen zwei Hangargebäuden. Schnell die Landegebühren bezahlt und die Turmbesatzung bestellt uns sogar noch ein Taxi in die Innenstadt. Endlich Freizeit! Die Taxifahrt selbst dauert nur etwas mehr als 10 Minuten. Wir lassen uns am Zoo am Meer" absetzen. Im Gegensatz zu anderen Tierparks setzt man beim "Zoo am Meer" eher auf Klasse statt auf Masse. Es sind zwar nur wenige Tierarten dort zu sehen, aber diese besitzen vergleichsweise grosse Gehege bzw. Flächen. Ein Rundgang führt durch das gesamte Gelände.

Natürlich gibt es in Bremerhaven noch viel mehr zu sehen. Da ist zum Beispiel das Schiffahrtsmuseum und auch zahlreiche Museumsschiffe, welche in entsprechenden Hafenbecken festgemacht sind. Wir entscheiden uns für die Besichtigung eines alten deutschen U-Bootes aus den 60er/70er Jahren des kalten Krieges. Der Innenraum ist touristenfreundlich angepasst und viele Tafeln mit Beschreibungen liefern Hintergrundinformationen zum U-Boot und dessen Ausstatung. Danach reicht die Zeit noch für einen Bummel durch die Innenstadt bzw. Fussgängerzone.

Takeoff runway 34 EDWB Bremerhaven

Der Rückflug am Abend unterscheidet sich im Prinzip nicht vom Hinflug. Der Wind aus nördlichen Richtungen ist immer noch ebenso frisch wie am Mittag. Mit soviel Gegenwind am Start hat man natürlich eine spektakuläre Steigrate. Dafür geht's "über Grund" ja auch deutlich langsamer voran. Kurz nach dem Start kurven wir über der Weser wieder nach Süden. Je höher wir fliegen, desto weniger macht sich wieder der Nordwind bemerkbar. Oberhalb von 5000 ft kommt schliesslich nur noch ein laues Lüftchen aus nördlichen Richtungen. Rechtzeitig vor der Schliessung des Flugplatzes erreichen wir die Platzrunde. Die letzte Landung des Tages - diesmal mit Seitenwind, da wir in West-Ost Richtung landen, aber auch dies klappt problemlos. Jetzt nochmal nachgetankt (für den nächsten Trip) und dann lassen wir den Tag gemütlich ausklingen.

Unser Fazit: Bremerhaven EDWB ist als Zwischenstopp oder Tagesausflug sehr empfehlenswert. Der Flugplatz liegt sehr zentral und es gibt genug Sehenswürdigkeiten, die einen Aufenthalt von 1-2 Tagen rechtfertigen. Die Infrastruktur am Platz ist hervorragend und das Terminalgebäude ist schlichtweg spektakulär! Als Besonderheit bietet Bremerhaven eine der wenigen Landebahnen im Umland mit Nord-Süd Ausrichtung (16/34). Anmerkung: Eine zweite, kürzere Piste mit der Ausrichtung 07/25 steht ebenfalls auf Anfrage zur Verfügung. Schade, falls dieser Flugplatz nach den aktuellen Plänen der Landesregierung in einigen Jahren geschlossen werden sollte.

Permalink 08.06.2013



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