Metal oder
Progressiv?
Seit ein paar Tagen ist Iron Maiden's aktueller Longplayer mit dem Titel The Final Frontier nun endlich verfügbar.
Soviel sei gleich gesagt: Das mittlerweile 15. Studioalbum der Engländer bietet viel altbekannten Heavy-Metal, wie man ihn seit fast 30 Jahren von
Iron Maiden gewohnt ist. Gleichzeitig finden sich aber auch neue Elemente aus Progressiv Rock Einflüssen, die man so nicht unbedingt mit dem Namen Iron Maiden verbinden würde.
Ob diese Kombination nun faszinierend oder abschreckend wirkt, wird jeder Hörer für sich selbst einscheiden müssen.
Eines ist jedoch klar; dieses Album wird nicht jedem langjährigen Fan der Band auf Anhieb gefallen.
Die "progressiven" Songs des Albums sind allerdings klar identifizierbar; wer's nicht mag, kann diese ja ignorieren.
Angriff der
Septakkorde
Die Kontroversen beginnen auch gleich mit dem 4-minütigen (!) Intro des ersten Songs Satellite 15... The Final Frontier welches mit seinen Dissonanzen und Septakkorden nun so ganz und gar nicht zu Iron Maiden passen will.
Noch mehr nicht-aufgelöste Harmonien gibt es dann auch in Starblind wie auch in einigen anderen Songs
wobei man immer wieder den Eindruck hat, diese Progressiv Rock Experimente an anderer Stelle in den 90er Jahren bereits von Bands wie
Queensrÿche
(Operation Mindcrime) und
Dream Theater
(Scenes From A Memory, New Millennium etc.) gehört zu haben.
Aber nicht nur an den Harmonien wurde extrem gefeilt; so fällt ebenfalls auf, dass die Schlagzeugarbeit auf The Final Frontier
im Vergleich zu den meisten Vorgängeralben erheblich komplexer geworden ist; insgesamt eine echte Bereicherung.
Alles keine Grund zur Panik: Fans des klassischen Iron Maiden Stils und einfacherer Harmonien
finden ebenfalls genug Material und werden insbesondere Tracks wie El Dorado und The Talisman lieben.
Epos
Aber damit nicht genug -
seit 1983 findet sich mit schöner Regelmässigkeit auf nahezu jedem Studioalbum jeweils ein einzelner Song,
welcher eine epische Geschichte in feinstem Heavy-Metal Bombast mit ca. 11-Minuten Länge erzählt.
Die Vermutung liegt nahe, dass Songschreiber Steve Harris hierbei seine Inspirationen wie so oft aus Literatur und Film bezogen hat.
Kleine Kostprobe gefällig? Bitte:
To Tame A Land von 1983 befasste sich mit der Sci-Fi Story von Dune, dem Wüstenplaneten;
Rime Of The Ancient Mariner von 1984 basierte auf einem Gedicht von Samuel Taylor Coleridge;
Alexander The Great von 1986 beschreibt die Lebensgeschichte des bekannten Königs und Feldherren im antiken Griechenland usw.
Diese Tradition wird selbstverständlich auch auf dem aktuellen Album fortgesetzt und bekommt mit
When The Wild Wind Blows einen würdigen Nachfolger. Wenn die Kinderliedmelodie aus dem Intro innerhalb
von 11 Minuten zu Heavy-Metal Bombast der Extraklasse mutiert (und wieder zurück), dann ist Gänsehaut garantiert.
So viel sei verraten: Ein echtes Happy-End gibt's bei der Story diesmal auch nicht. Der Song ist übrigens unser Anspieltipp.
Nahezu alle Tracks des Albums sind übrigens vom Tempo recht moderat. Lediglich bei The Alchemist zieht die Band das Tempo etwas an. Iron Maiden waren zwar noch nie als Geschwindigkeitsfanatiker bekannt, aber einen uptempo Song a la Aces High (vom 84er Powerslave Album) sucht man diesmal hier vergebens.
Hier noch die Tracklist:
Fazit
Mit
The Final Frontier durchbrechen
Iron Maiden
konsequent eigene Barrieren und wagen eine riskante Richtungsänderung zum Progressiv Rock.
Eingefleischte Fans werden dennoch nicht vor den Kopf gestossen;
denn die Hälfte der Songs auf dem aktuellen Album orientiert sich immer noch am klassischen Heavy-Metal Stil der Band,
wie man es seit knapp 30 Jahren Band-Historie gewohnt ist.
Eine clevere Balance.
Ein Tipp: Zur Kaufentscheidung unbedingt in mehrere Songs 'reinhören, nur so kann man sich ein Urteil über dieses Album bilden.
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